Queerfulness als Praxis vs Aktivismus-Burnout

Die Siegessäule hat einen sehr lesenswerten Artikel über Aktivismus-Burnout, „Community kostet Kraft: Warum leiden so viele an Aktivismus-Burn-out?“↗. Die Analysen fand ich treffend, die Tipps zu Gegenmassnahmen gleichzeitig zu vage.

Das erwähnte Buch „Queerfulness. Vom Glück einer solidarischen Protestkultur“↗ von Cornelia Fleck (2022) ist sehr erzählerisch, anekdotisch, an vielen Stellen wunderbar poetisch – und leider gar nicht konkret praxisorientiert lesbar.

Ich habe daher die Aussagen und praktischen Anleitungen extrahieren und geordnet zusammenfassen lassen (ja, Claude Opus 5). Disclaimer: Das muss nicht alles stimmen. Prüft es selbst, probiert, nehmt was passt. Ich mache mir die Aussagen ausdrücklich nicht automatisch zu eigen, sondern berichte nur in Kurzfassung, was Artikel und Buch im Kern liefern.

Generell gehen Buch und Artikel in eine ähnliche Richtung wie Dean Spade „Mutual Aid“↗, deutsch „Solidarisch füreinander sorgen“↗ (siehe Punkt 7), setzen allerdings bereits bei „normalen“ Aktivismus an, nicht erst als notwendige Selbsthilfe im Krisenmodus.


Was Cornelia Flecks Buch konkret zur Prävention von Aktivismus-Burn-out beiträgt

Systematische Auswertung von: Cornelia Fleck, „Queerfulness. Vom Glück einer solidarischen Protestkultur“, Querverlag Berlin 2022 (in*sight/out*write 6), 64 Seiten.
Bezugsrahmen: Eleonore Foss, „Community kostet Kraft: Warum leiden so viele an Aktivismus-Burn-out?“, SIEGESSÄULE, 28.08.2026.


Inhalt

0. Wie dieser Text zu lesen ist
Die Diagnose des SIEGESSÄULE-Artikels in sieben Punkten
1. Die Diagnose des Buches: Was genau ausbrennt
2. Aktionen auswählen: Der Vergnügen-Check
3. Visionsarbeit als Ressourcenquelle
4. Community bauen, die trägt
5. Die Gruppe organisieren: Open Space als Modell
6. Zugang prüfen: unsichtbare Grenzen
7. Solidarität als Arbeitsform, nicht als Hilfe
8. Konflikt führen, ohne sich zu verbrauchen
9. Spielen statt Verbieten
10. Ambiguitätsvergnügen: die Kompetenz gegen Zermürbung
11. Wirksam handeln: Formen, Erfolge, Grenzen
12. Anfangen und Aufhören: Komfortzone und Heimkehr
12.1 Das Komfortzonenmodell
12.2 Die Heimkehr
13. Der Werkzeugkasten, den das Buch nur nennt
14. Was das Buch nicht leistet
15. Kurzcheckliste
Anhang: Belege
Externe Quellen (außerhalb des Buches)


0. Wie dieser Text zu lesen ist

Das Buch ist ein literarischer Essay, kein Handbuch. Es argumentiert in Bildern, Anekdoten und Sprachspielen. Die Konzepte, Analysen und Handlungsvorschläge stecken darin, sie sind aber nicht als solche ausgewiesen. Dieser Text zieht sie heraus, ordnet sie nach Anwendungsfeldern und belegt jede Aussage über den Anhang (Seitenangaben beziehen sich auf die PDF-Seiten der vorliegenden Datei).

Zur Einordnung der Autorin: Fleck ist Bühnenkünstlerin, Theaterpädagogin und Trainerin für Antidiskriminierung, Partizipation und Protestkultur. Das Aktionsbündnis „Summer of Queerfulness“, aus dem die meisten Praxisbeispiele stammen, entstand aus einer zufälligen Begegnung auf einer Mieter*innendemo. Das Gründungsversprechen war gegenseitige Unterstützung, inspiriert vom Film „Pride“ [90].

Ein Hinweis zur Quellenlage: Fleck belegt ihre empirischen Behauptungen nicht. Wo sie sich auf Forschung beruft (Gewaltforschung, Extinction Rebellion, Suizidraten), fehlen Nachweise. Diese Stellen sind unten jeweils gekennzeichnet und, soweit möglich, gegen belastbare Quellen geprüft. Der Wert des Buches liegt nicht in seiner Empirie, sondern in der Praxiserfahrung einer Trainerin für Antidiskriminierung und Protestkultur und in einer durchdachten Haltung zur Frage, wie Mittel und Zweck zusammenhängen.

Die Diagnose des SIEGESSÄULE-Artikels in sieben Punkten

Damit klar wird, worauf das Buch antwortet, hier die Befunde des Artikels, auf die sich der weitere Text als A1 bis A7 bezieht:

  • A1 Im Aktivismus fehlen Bezahlung und ein klarer Abschluss von Aufgaben. Es gibt keine Belohnungsstruktur (Fleck im Interview).
  • A2 Anders als Erwerbsarbeit hat die Welt unendlich viele Aufgaben. Wer sich informiert, wird überschüttet. Das Nervensystem hält das nicht aus.
  • A3 Social Media verstärkt die Überflutung. Am Ende stehen Aktivismus-Burn-out auf der einen und Doomscrolling beziehungsweise Handlungsunfähigkeit auf der anderen Seite.
  • A4 Selfcare im Sinne Audre Lordes meint kollektive Erholung, nicht individuelle Selbstoptimierung. Pausen, Zusammenkommen und Feiern sind Teil der politischen Arbeit.
  • A5 Wo das Ziel des Aktivismus an die eigene Identität gebunden ist, lässt sich kaum eine Grenze ziehen. Minderheitenstress wirkt weiter, auch wenn man sich zurückzieht.
  • A6 Die üblichen Lösungsvorschläge individualisieren das Problem. Nötig wäre strukturelles Umdenken bei Vereinen, Stiftungen und öffentlichen Geldgebern (Juliane Rosin, LesbenRing e. V.).
  • A7 Das Fortschrittsnarrativ ist erschüttert. Die Angst vor Rückschritt treibt Aktivist*innen dazu, ihre Kapazitäten zu überziehen.

Die belastbare Zahl hinter A5: Eine Studie des DIW Berlin und der Universität Bielefeld (Wochenbericht 6/2021, Datenbasis SOEP 2019 plus Online-Befragung) fand bei LGBTQI*-Menschen fast dreimal so häufig diagnostizierte Depressionen und Burnout wie in der übrigen Bevölkerung. Bei 26 Prozent der queeren Befragten wurde schon einmal eine depressive Erkrankung diagnostiziert, gegenüber knapp 10 Prozent bei cis-heterosexuellen Personen. Rund 40 Prozent der trans Personen berichteten von Angststörungen. Diskriminierungserfahrungen gelten nach dem Forschungsstand als plausible Ursache.

Das Grundmuster der Antwort: Fleck setzt nicht bei der Belastungsgrenze an, sondern beim Antrieb. Ihre These ist, dass Engagement dann tragfähig wird, wenn der äußere Motor (die Welt verändern) und der innere Motor (Vergnügen an der Aktion selbst) zusammengeschaltet sind. Diese Kombination, die sie „pan-trinsisch“ nennt, brennt nach ihrer Beobachtung langsamer aus [1]. Das ist eine Antwort auf A1: Wenn die Belohnung nicht am Ende steht, muss sie im Vorgang selbst liegen.


1. Die Diagnose des Buches: Was genau ausbrennt

Fleck beschreibt Aktivismus-Burn-out an einem Bild: Wespen im September, die auf Alarmpheromone aus dem Internet reagieren, um sich stechen, in klebrigen Verwaltungsstrukturen ersticken, an Konfliktherden verglühen und schließlich als leere Hülle vertrocknen [2]. Bemerkenswert daran ist, dass sie mehrere Ursachen in einem Bild bündelt: digitale Dauerreizung, bürokratische Reibung, Dauerkonflikt, sinkende soziale Wärme.

Die strukturelle Ursache benennt sie nüchtern: Unsere Ressourcen sind begrenzt, die Verbesserung der Welt ist ein Projekt ohne Ende [3]. Das ist exakt A2, nur ohne Zahlen.

Dazu kommt eine Beobachtung, die im Artikel fehlt und die ich für den wichtigsten eigenständigen Beitrag des Buches halte: die Drift-Gefahr. Fleck beschreibt Menschen, bei denen die Wut die einzige Konstante blieb, während sich die politische Richtung verschob. Ehemals wütende Linke wurden wütende Rechte. Streitbare Lesben der 1970er und 80er Jahre richteten ihre Störkunst später gegen jüngere Generationen. Homosexuelle wurden zu Homonationalen, die den deutschen Schwulen gegen einen imaginierten homophoben Ausländer verteidigen wollten [4]. Ihre Schlussfolgerung: Wer das Schwimmen gegen den Strom zur Gewohnheit macht und dabei den Flusslauf nicht beobachtet, schwimmt irgendwann nach rechts.

Daraus folgt ihre zentrale normative Setzung, die sie mit Audre Lorde begründet: Die Werkzeuge der Herrschenden reißen deren Haus nicht ein. Statt eines zynischen Machiavellismus, in dem der Zweck die Mittel heiligt, will sie einen Aktivismus, dessen Mittel dieselbe subversive Schönheit und radikale Menschenfreundlichkeit haben wie sein Ziel [5]. Anders formuliert: Das Ziel soll zum Weg werden, Utopia soll mit Werkzeugen gebaut werden, die in Utopia geschmiedet wurden [6].

Warum das für Burn-out relevant ist: Wenn die Mittel selbst nährend sind, entfällt der Aufschub. Man muss nicht bis zum Sieg durchhalten, um etwas davon zu haben. Das ist die theoretische Fassung von A1 und A4 zugleich.


2. Aktionen auswählen: Der Vergnügen-Check

Analyse. Wer alles macht, was nötig wäre, macht nichts lange. Fleck schlägt eine Inventur vor, die sie augenzwinkernd als Marie-Kondō-Verfahren einführt: alle Formen von Engagement einzeln hervorholen, in die Hand nehmen und prüfen, ob sie vor Vergnügen funkeln [7].

Sie führt das an eigenen Beispielen vor: Mit einem Schwarm Tunten die Rolltreppen eines Kaufhauses besetzen, bleibt. Eine Nazi-Demo in einen Spendenlauf verwandeln, bei dem jeder marschierte Meter Geld für Geflüchtetenprojekte generiert, bleibt. Auf Twitter mit Rechten diskutieren, fliegt raus, weil sie sich dabei eine, in ihren Worten, Nazivergiftung geholt hat [8].

Das ist direkt anschlussfähig an A3. Fleck hat 2022 aussortiert, was der Artikel 2026 als Hauptbeschleuniger identifiziert.

Konkret:

  • Liste alle deine Engagement-Formen einzeln auf, nicht als Themenblöcke, sondern als Tätigkeiten (Plenum, Standdienst, Antragstexte, Kommentarspalten, Transpi malen, Awareness-Schicht).
  • Prüfe jede einzeln: Gibt sie Energie zurück, während du sie tust?
  • Sortiere aus, was dauerhaft nur zehrt. Debatten mit geschlossenen Weltbildern sind der erste Kandidat.
  • Behalte bewusst mindestens eine Aktionsform, die dir Freude macht, auch wenn sie politisch weniger „wichtig“ erscheint.
  • Nutzt in der Gruppe ein gemeinsames Prüfwort. Der „Summer of Queerfulness“ hat „queerful genug?“ als Standardfrage in die Aktionsplanung eingebaut [9].

Einschränkung, die man mitdenken sollte: Der Vergnügen-Check ist ein Auswahlkriterium für Menschen mit Wahlmöglichkeiten. Wer als einzige Person in einer Region eine Beratungsstelle hält, kann nicht aussortieren. Für solche Lagen ist A6 die richtige Antwort, nicht dieses Kapitel.


3. Visionsarbeit als Ressourcenquelle

Analyse. Fleck behandelt Träumen nicht als Vorstufe zur Planung, sondern als eigenständige, energiespendende Tätigkeit. Ihr Bezugspunkt sind Schauspiellehrende: Lee Strasbergs Rat, nach den Sternen zu greifen, um wenigstens den Mond zu erreichen, und Geraldine Barons Umdeutung von „be realistic“ in die Aufforderung, Träume zu realisieren [10].

Die dazugehörige Methode ist konkret dokumentiert. Im Januar 2020 lud der „Summer of Queerfulness“ Aktivist*innen und nahestehende Menschen zu einem „visionären Bacchanal“ in ein Wohnzimmer. Der Boden war mit Sofas, Matten, Kissen und Teppichen ausgelegt, an den Wänden hingen Namen inspirierender Protestkulturen (Radical Faeries, Shark Femmes, Lesbian Avengers). Alle kamen in Pyjamas oder Entspannungsroben. Die Leitfrage lautete: Wovon träumst du, wenn es dir weder an Zeit noch an Geld noch an anderen Ressourcen mangelte? Ausdrücklich empfohlen wurde, an diesem Nachmittag nicht ins konkrete Planen zu gehen [11]. Flecks Beobachtung: Die meisten Ideen haben sich trotzdem realisiert, weil die entstandene Lust schwer einzudämmen war [12].

Das Prüfkriterium, das sie daraus ableitet: Erst wenn die Utopie sinnlich vergegenwärtigt ist, lässt sich beurteilen, ob eine geplante Aktion zu ihr passt [13].

Ihr Bild für den Nutzen ist das Kinderbuch „Frederick“ von Leo Lionni: Die Maus, die statt Vorräten Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt, versorgt die Gruppe im Winter mit dem, was Vorräte nicht leisten [14]. Übersetzt: Was unproduktiv aussieht, ist Vorratshaltung für die Erschöpfungsphase. Und ganz explizit: Vor dem Weiterlesen soll man ein Nickerchen einlegen, dösen, träumen, sich erinnern [15].

Konkret:

  • Setzt einmal jährlich einen Termin an, der ausdrücklich keine Planung ist. Zwei bis drei Stunden reichen.
  • Gestaltet den Raum körperlich anders als eure Plena: Boden statt Stuhlkreis, bequeme Kleidung, kein Protokoll.
  • Leitfrage: Wovon träumst du, wenn Zeit, Geld und Kräfte keine Rolle spielten?
  • Verbietet euch für diesen Termin explizit Machbarkeitsdiskussionen und To-do-Listen.
  • Hängt die Namen von Bewegungen und Personen auf, an denen ihr euch orientiert. Das stellt Zugehörigkeit zu einer Geschichte her, die über eure Gruppe hinausreicht.
  • Prüft geplante Aktionen danach daran, ob sie zu dieser Vision passen, nicht nur daran, ob sie machbar sind.

4. Community bauen, die trägt

Analyse. Fleck räumt zuerst mit einer Erwartung auf, an der viele scheitern: Es gibt keine Community-Zentrale, keine Generaldirektorin, keine Hauptversammlung, bei der man sich anmeldet. Es gibt nur Menschen, die im öffentlichen Raum aufeinandertreffen [16]. Wer Enttäuschung über „die Community“ empfindet, hat oft eine Organisation erwartet, wo ein Milieu ist.

Daraus folgt ihre Betonung des öffentlichen Raums: Solidarität lässt sich nur in Begegnung erfahren, nicht im Kokon [17]. Sie unterfüttert das historisch, und das ist der stärkste historische Teil des Buches:

  • Der Second-Wave-Feminismus belebte die Freundinnenschaft wieder, nachdem die bürgerliche Ehe den Aktionsradius von Frauen auf das Haus geschrumpft hatte. Feminismus keimte in Frauengruppen und wuchs im consciousness raising [18].
  • In der DDR traf man sich im Sandsteingebirge zum „Boofen“, also zum Übernachten im Fels, fernab staatlichen Zugriffs [19].
  • HipHop entstand auf Blockpartys in afroamerikanischen Nachbarschaften. Argentinischer Tango, Capoeira, Roller Dance und Voguing entwickelten sich sämtlich im öffentlichen Raum unter marginalisierten Gruppen [19].
  • Die Repression folgte prompt: Unter Bürgermeister Rudy Giuliani konnte man in New York wegen Herumstehens weitergeschickt werden, Tango und Capoeira waren zeitweise verboten, Roller Jams wurden regelmäßig aufgelöst [20].

Flecks Schluss: Wo Ausgestoßene sich draußen treffen, entsteht Gemeinschaft, und genau deshalb wird es unterbunden. Ihr Vorschlag für Krisenpolitik, formuliert am Lockdown 2020, lautet „anbieten statt verbieten“: Statt Räume zu schließen, hätte man mehr davon öffnen können [21].

Bezug zum Artikel: Das ist Flecks Antwort auf A3. Der Artikel zitiert sie mit dem Rat, das Handy wegzulegen und sich in der Wirklichkeit zu verankern. Das Buch liefert die Begründung: Handlungsfähigkeit und Solidaritätserfahrung entstehen körperlich, im geteilten Raum.

Konkret:

  • Verlege Community-Aktivität regelmäßig nach draußen und in umsonst zugängliche Räume.
  • Erwarte von „der Community“ keine Dienstleistung. Frage stattdessen, was du beiträgst, und rechne damit, dass Zugehörigkeit über Zeit entsteht.
  • Wenn ihr Räume verwaltet: Prüft bei jeder Regel, ob sie verbietet oder anbietet.

5. Die Gruppe organisieren: Open Space als Modell

Analyse. Fleck überträgt die Großgruppenmethode Open Space auf Community-Organisierung. In ihrer Darstellung: Alle tragen zu Beginn ihre Anliegen zusammen, danach bilden sich Kleingruppen. „Schmetterlinge“ lassen sich bei einem Thema nieder und ziehen andere an. Die „Hummel“ wandert von Gruppe zu Gruppe und macht überall ein bisschen mit. In konventioneller Sicht wäre das die Person, die nervt. Im Open Space gilt sie als befruchtend, weil sie Impulse überträgt [22].

Zwei Open-Space-Regeln hebt sie hervor: Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute. Was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte [23]. Übertragen auf Community heißt das: Räume je nach Thema teilen statt um Räume kämpfen, und darauf vertrauen, dass die passenden Menschen kommen [24].

Dazu kommen drei gruppendynamische Thesen, die praktisch folgenreich sind:

  1. Heterogenität ist Sicherheit. Eine vielfältige Gruppe, die ihre Verschiedenheit gut aushält, ist nach Fleck der sicherste Ort. Zu homogene Gruppen werden auf Dauer gefährlich [25].
  2. Feindbilder zersetzen Gruppen von innen. Der Irrtum, Gemeinschaft brauche einen Feind, produziert Mitglieder, die nie wissen, wann sie selbst zur unerwünschten Person erklärt werden. Ihr Beispiel ist das hektische „no homo“ unter jungen Männern nach einer freundlichen Geste: Treten nach unten, um die eigene Position zu sichern [26].
  3. Vertrauen entsteht durch gemeinsam Erlebtes. Gemeinschaft wächst, wenn Beteiligte ein Abenteuer miteinander durchstehen, das über Alltägliches hinausgeht. Und wenn die Reise vorbei ist, darf die Gruppe auseinandergehen [27]. Echte Gemeinschaft bedient beide Bedürfnisse zugleich: Zugehörigkeit und Individualität [28].

Warum das gegen Burn-out wirkt: Punkt 3 entlastet massiv. Wenn Gruppen enden dürfen, muss niemand eine sterbende Struktur aus Pflichtgefühl am Leben halten. Das adressiert einen Teil von A1, den der Artikel nur streift: Es gibt keinen Abschluss, weil niemand Abschlüsse vorsieht.

Konkret:

  • Plant Projekte mit definiertem Ende statt als Dauerstruktur. Verlängern könnt ihr bewusst.
  • Behandelt Menschen, die überall ein bisschen mitmachen, als Überträger von Wissen, nicht als unzuverlässig.
  • Teilt Räume nach Thema statt nach Zugehörigkeit, wo das sachlich geht. Flecks Beispiele: Zu einem Cervix-Watching kommen Menschen mit Cervix, unabhängig vom Geschlecht. Zu einer Free-the-Nipple-Party lädt sie alle, die etwas zu befreien haben, ausdrücklich auch trans Männer vor und nach OP und cis Jungs mit male boobs [24].
  • Verzichtet auf Feindbilder als Bindemittel. Prüft in Konflikten, ob eure Gruppenidentität gerade nur noch aus Abgrenzung besteht.
  • Baut gemeinsame Erlebnisse ein, die nicht Arbeit sind.

6. Zugang prüfen: unsichtbare Grenzen

Analyse. Hier steht der praktisch nützlichste Begriff des Buches, und Fleck baut ihn von der Selbstkritik her auf.

Am Anfang steht „Happyland“, ein Begriff der Antirassismus-Trainerin Tupoka Ogette: der Ort, an dem man wohnt, wenn es einem gut geht, man alle Chancen hatte, keine Diskriminierung erlebt und glaubt, auch keine auszuüben [29]. Dass das Publikum solcher Räume überwiegend weiß, cis, gebildet, gutverdienend und mit Pässen des globalen Nordens ausgestattet ist, fällt darin nicht auf [30]. Dem hält sie Hannah Arendts Argument entgegen, dass man sich nur als das verteidigen kann, als das man angegriffen wird [29].

Ihre drei Fallbeispiele:

  • Körperlicher Raum: Drei Männer, die im Whirlpool die Arme auf dem Beckenrand ausbreiten und die anwesenden Frauenkörper mustern, besetzen den Pool wirksamer als jedes Schild. Fleck war formal willkommen und ging trotzdem nicht rein [31].
  • Geld: Eine Soli-Show zugunsten von LGBT-Geflüchteten erhob am Eingang einen Beitrag nach Selbsteinschätzung. Ein Freund Flecks mit leeren Taschen wurde abgewiesen. Er hat selbst eine Fluchtgeschichte. Über dem guten Verständnis für die Geldnot der Zielgruppe war das Verständnis für die Geldnot vor der eigenen Tür verlorengegangen [33].
  • Sicherheit im öffentlichen Raum: Zu Gesprächen mit Jugendgruppen kamen nur trans Männer. Der Grund: Die meisten trans Frauen fahren abends ungern durch die Stadt. Gegen diese Einschränkung helfen Willkommensbekundungen nicht [34].

Daraus leitet Fleck ihre Definition ab: Eine „unsichtbare Grenze“ ist eine Zugangsbarriere, die formal nicht existiert und die meist nur die ausgesperrte Seite bemerkt [32].

Das dritte Beispiel ist der wichtigste Minderheiten-Hinweis des Buches und in der Wirkungsrichtung eindeutig: Die Einschränkung des öffentlichen Raums für Frauen trifft trans Frauen härter. Wer Community-Angebote abends ansetzt, selektiert damit, ohne es zu merken.

Im selben Zusammenhang benennt Fleck die fortwirkende Alltagsabwertung durch Witze und Demütigungen und verweist auf die erhöhte Suizidrate unter LGBT+ Jugendlichen [35]. Quellenkritik: Das Buch nennt dafür keine Quelle. Die Größenordnung ist durch internationale Forschung gut belegt, das Buch trägt dazu aber nichts bei. Für Deutschland liefert die oben genannte DIW-/Bielefeld-Studie die belastbaren Zahlen zu Depression, Burnout und Angststörungen.

Konkret (Checkliste für jede Veranstaltung):

  • Geld: Gibt es einen echten Nulltarif, den niemand erklären oder erbitten muss? Solidarpreise sind keine Barrierefreiheit, wenn Null nicht vorgesehen ist.
  • Uhrzeit und Weg: Ist der Rückweg im Dunkeln zumutbar? Gibt es Begleitangebote, Fahrgemeinschaften, frühe Termine?
  • Körperliche Besetzung: Wer nimmt im Raum wie viel Platz ein? Gibt es Rückzugsflächen?
  • Zusammensetzung: Wenn immer dieselbe Gruppe kommt, ist das keine Statistik, sondern ein Befund. Frage die Fehlenden, nicht die Anwesenden.
  • Regelmäßige Rückfrage: Da nur die ausgesperrte Seite die Grenze bemerkt, braucht ihr einen Kanal, über den Menschen von außen Rückmeldung geben können, ohne Mitglied zu sein.

Zum Burn-out-Bezug: Dieses Kapitel arbeitet gegen A6. Zugangsbarrieren abzubauen ist die wirksamste Methode, die Last auf mehr Schultern zu verteilen. Wer sich fragt, warum immer dieselben fünf Leute alles machen, sollte hier anfangen und nicht bei Entspannungsübungen.


7. Solidarität als Arbeitsform, nicht als Hilfe

Analyse. Fleck trennt scharf zwischen Helfen und Verbünden. Solidarität ist kein Wohltätigkeitsball, sondern Austausch auf Augenhöhe und Zusammenarbeit, von der alle etwas haben. Ihr Prüfbild: Der Ehemann, der im Haushalt „hilft“, hat sich damit noch nicht auf Augenhöhe mit seiner Frau verbündet [37].

Sie führt aus, was Verbündete jeweils selbst gewinnen [38]:

  • Heteros, die sich mit Queers verbünden, verlieren den Druck der Heteronormativität.
  • Männer, die gemeinsam mit FLINTA gegen das Patriarchat vorgehen, werden von einer Rolle entlastet, die nicht selten direkt in den Herzinfarkt führt, und gewinnen Zugang zu Zärtlichkeit.
  • Regierungen, die mit Indigenen zusammenarbeiten, könnten lernen, wie Buschfeuer beherrscht und Zoonosen verhindert werden.

Ihre Grundthese: Je mehr Perspektiven zusammenkommen, desto klüger werden alle.

Als Mechanismus beschreibt sie den Spartacus-Effekt anhand einer Szene aus „Sex Education“: Eine Schülerin wird mit einem Bild ihrer Vulva gemobbt, die Schulleitung will die Betroffene identifizieren, und nach und nach reklamiert fast die ganze Schule das Bild für sich. Weder Bestrafung noch Mobbing greifen danach noch. Empowert sind am Ende alle Beteiligten [36].

Für Bündnisse zwischen cis und trans Frauen schlägt sie Mentoring in beide Richtungen vor. Sie bezieht sich auf Juno Roches „Queer Sex“ und auf Kate Bornsteins Biografie „A Queer and Pleasant Danger“, in der eine cis Feministin sie durch die Transition und zugleich in den Feminismus einführte. Umgekehrt, schreibt Fleck, könne sie als cis Frau von einer trans Mentorin etwas über eine Weiblichkeit lernen, die extremen Widerständen standhielt und sich nicht in misogynen Selbsthass verdrehen ließ [39]. Der Bezugspunkt bleibt Audre Lorde: Niemand ist frei, solange eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn ihre Fesseln ganz andere sind [40].

Und ein Satz mit praktischer Sprengkraft für Menschen mit Kapazität und ohne akuten eigenen Bedarf: Wer sich nach Empowerment sehnt und selbst keines nötig hat, soll sich auf die Seite derjenigen schlagen, die Unterstützung brauchen können. Es wirkt genauso [41].

Konkret:

  • Formuliert Bündnisanfragen als Kooperation mit beidseitigem Gewinn, nicht als Bitte um Unterstützung.
  • Benennt gegenüber potenziellen Verbündeten explizit, was sie selbst gewinnen. Das ist keine Manipulation, sondern die realistische Beschreibung.
  • Übt kollektive Übernahme: Wenn eine Person angegriffen wird, macht die Betroffenheit gemeinsam, statt sie zu isolieren.
  • Baut Mentoring-Paare quer zu den Buchstaben auf, nicht nur innerhalb.
  • Wechselt regelmäßig Perspektive und Stammplatz. Fleck empfiehlt das ganz alltäglich, bis hin zum Vertauschen der eigenen Schubladen [42].

8. Konflikt führen, ohne sich zu verbrauchen

Dieses Kapitel ist der direkteste Beitrag gegen A3 (Social Media Überflutung), weil Dauerkonflikt der teuerste Posten in der Energiebilanz ist.

Analyse. Fleck ordnet Eskalation als Dynamik: Hass wird aus Angst gewonnen, und mit diesem Treibstoff dreht das „Eskalationskarussell“ immer höher, während Feindbilder sich verhärten. Wer Menschenfeindlichkeit aushebeln will, soll sich im Gegenteil üben, in Menschenfreundlichkeit [43]. Den Kern menschenfeindlicher Weltbilder sieht sie in Reinheitsvorstellungen: einer eindeutigen, unbefleckten Gruppe, die sich von den Unreinen abgrenzt. Das Wissen um die eigene Verschiedenheit sei das Gegengift und ein Geschenk des Coming-outs [44].

Daraus folgt ihre Warnung vor innerqueerer Fragmentierung: Wenn die Buchstabengruppen sich gegenseitig bekämpfen, freut sich die faschistoide Ecke über das Prinzip Teile und herrsche [45]. Ihr Gegenmittel ist das Präfix „trans“ als Denkfigur: Während „inter“ zwischen zwei klar abgegrenzten Bereichen vermittelt, hat „trans“ die Grenze bereits überschritten [46] und schlägt Brücken. Beispiel Transkulturalität. Die Quelle „Das Zauberwörtchen trans“ ist hier poetisch schön. Identitäten wachsen an vielen Stellen, sind unterschiedlich stark gewichtet und permanent im Wandel, weshalb sich Zugehörigkeiten im Lebenslauf mehrfach ändern können [47].

Zur äußeren Auseinandersetzung führt sie ein Eskalationsmodell aus der Gewaltforschung an: Auf gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit folge als nächste Stufe das autoritäre Milieu. Autoritäre brauchen Erregungszustände, wollen recht haben, können besser strafen als argumentieren und kennen nur Sieg oder Niederlage [48]. Quellenkritik: Auch hier fehlt der Beleg. Das Grundmodell ist an die Forschung zu gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Wilhelm Heitmeyer und Bielefelder Arbeitsgruppe) und an die Autoritarismusforschung anschlussfähig, Flecks konkrete Stufenfolge ist so aber nicht als Forschungsstand ausgewiesen.

Die praktische Konsequenz ist ihre stärkste Handlungsanleitung: Wer auf Gegner*innen wie auf Mitspielende reagiert, mildert Erregung. Wer sich nicht mit autoritärem Gebaren ansteckt, bremst dessen Ausbreitung. Nicht jede Duellaufforderung muss angenommen werden, man kann den Angriff auch ableiten wie im Aikido [49].

Der Mechanismus dahinter stammt aus der Theaterimprovisation und deckt sich mit der Transaktionsanalyse: Rollenangebote sind verführerisch. Wer im Eltern-Ich beschimpft wird, antwortet im Kind-Ich, also trotzig. Wer diskret auf ein Missgeschick hingewiesen wird, kann würdevoll annehmen [50].

Die Grenze der Methode benennt Fleck selbst: Extremist*innen sind wie Sektenmitglieder nicht mehr mit Argumenten erreichbar, egal wie freundlich verpackt. Auch dort lässt sich eine rote Linie ziehen, ohne mit Autoritarismus zu flirten [51]. Ihr Beispiel ist Occupy Wall Street 2011: Als sich ein Antisemit ins Camp stellte, malten zwei Frauen ein Schild, das ihn als nicht für die Bewegung sprechend auswies, und flankierten ihn dauerhaft wie Fußnoten [52].

Als Trainingsform empfiehlt sie das Abklatschtheater: Zwei Personen improvisieren eine Szene, jemand klatscht, alle frieren ein, die klatschende Person übernimmt eine Position und startet eine völlig neue Szene aus derselben Körperhaltung. Trainiert wird damit die Fähigkeit, in jeder Szene das Potenzial einer ganz anderen zu sehen [53].

Ihr Praxisbeispiel dazu ist der Tuntenspaziergang 2017 in Berlin-Neukölln. Zwei Jugendliche kamen an, einer schubste die zierlichste Person der Gruppe. Die Drags waren körperlich klar überlegen, und Fleck sah, dass eine Prügelszene bevorstand. Ihre Überlegungen: Prügelfilme haben schlechte Fortsetzungen, der Held holt seine Brüder. Außerdem gilt Gesichtsverlust im toxisch-maskulinen Genre als größte Schande, und in dieser Lage tun Männer schreckliche und unnötige Dinge. Sie wechselte die Szene, rief den Jungen mit einem freundlichen Rollenangebot zu sich, entfernte sich dabei einige Meter von der Eskalationsstelle und improvisierte ein Gespräch über den Kiez und über Bartlinien. Am Ende stand ein Gruppenfoto [54]. Ihre eigene Bewertung ist nüchtern: Dass ihn das von Gewaltbereitschaft und Queerfeindlichkeit geheilt hat, ist unwahrscheinlich. Der Satz, auf den es ankommt, lautet sinngemäß: Man muss das Ende eines Stückes kennen, um eine Szene spielen zu können [55].

Wichtige Einordnung, die das Buch nicht ausreichend macht: Diese Deeskalation gelang unter sehr spezifischen Bedingungen. Fleck war Teil einer zahlenmäßig und körperlich überlegenen Gruppe, sie ist erfahrene Bühnenkünstlerin, sie wurde als ältere weiße Frau adressiert, und der Angreifer war ein unsicherer Jugendlicher ohne Plan. Wer allein ist, wer rassistisch gelesen wird, wer als trans Person angegriffen wird oder wer es mit organisierten Tätern zu tun hat, kann daraus keine Handlungsanweisung ableiten. Fleck hält ausdrücklich fest, dass Selbstverteidigung legitim bleibt, und verweist auf Stonewall [73]. Das Kapitel ist als Repertoire-Erweiterung zu lesen, nicht als Pflichtprogramm.

Konkret:

  • Frage vor jeder Konfrontation: In welche Rolle werde ich hier eingeladen, und will ich sie annehmen?
  • Biete deinerseits eine andere Rolle an, statt die angebotene zu bekämpfen.
  • Setze Grenzen durch Kontext statt durch Verbot. Das OWS-Schild ist das Musterbeispiel: keine Zensur, aber eindeutige Distanzierung.
  • Übt Szenenwechsel als Gruppe, bevor ihr sie braucht. Impro-Übungen sind billiges Deeskalationstraining.
  • Klärt vorab, wer im Ernstfall welche Rolle übernimmt, und akzeptiert, dass Weggehen eine legitime Option ist.

9. Spielen statt Verbieten

Analyse. Fleck argumentiert, dass sich im Spiel Dinge intuitiver und zugänglicher verhandeln lassen als in Texten und Theorien, weil über Stimme, Körper und Emotion mehr Ebenen mitlaufen [56]. Sie richtet das ausdrücklich auch gegen akademische Abschottung.

Ihr Fallbeispiel ist ein abgesagter Motto-Tag: Ein Abi-Jahrgang plante „Genderswap“, dagegen wurde protestiert, weil das Thema Binaritäten zementiere und damit trans- und interfeindlich sei. Der Tag fand nicht statt [57]. Über mehrere Seiten malt Fleck aus, was stattdessen hätte passieren können: Ein Gitarrist entdeckt am Chiffonkleid ein rätselhaftes Glück und traut sich erstmals einen Flirt ohne toxische Jagdlogik. Fußballjungs stopfen sich Ballons unter Schlauchkleider, berühren sich dabei so viel wie nie und produzieren aus dem Übermaß an Männlichkeitsbeweis eine homophile Groteske. Eine ultrafeminine Person fasst den Mut, ihre Transition zu beginnen, weil ihr klar wird, dass die Ultrafeminität das eigentliche Crossdressing war. Nicht-binäre Personen sabotieren das Thema mit Animal Drag, eine asexuelle Cosplayerin wählt einen geschlechtslosen Cyborg [58].

Die Pointe: Eine kleine Protestgruppe mit „Stop Genderswap“-Schild gerät durch den vorbeilaufenden Kontext selbst zur Illustration einer cis-heteronormativen Botschaft [60]. Und der eigentliche Ertrag: An so einem Tag wäre über Gender mehr Differenziertes gesagt worden als in jeder Debatte, und alle hätten sich spielend weiterentwickeln dürfen. Das Kapitel endet mit einer Aufforderung, die direkt auf A3 zielt: nicht drinnen sitzen und Social-Media-Hate anstarren, sondern rausgehen und spielen [59].

Daraus folgt eine Umgangsregel für den innercommunitären Diskurs, die Fleck vom Theater borgt: Diskurse verändern sich, ständig kommen Begriffe hinzu, und nicht alle sind auf dem aktuellen Stand. Auf der Bühne gilt es als schlechter Stil, andere auf ihre Texthänger hinzuweisen. Besser sei es, die Wahrheit der Szene auf anderen Ebenen zu erfassen und weiterzuimprovisieren [61].

Bezug zum Burn-out: Interne Sprachkonflikte kosten Bewegungen enorm viel Energie und treiben Menschen aus dem Engagement. Flecks Vorschlag ist keine Aufforderung, Kritik zu unterlassen, sondern eine Kosten-Nutzen-Überlegung: Ein durchgeführter, gut gerahmter Spiel-Tag hätte mehr Lernen erzeugt als eine gewonnene Verbotsdebatte.

Konkret:

  • Prüft vor einem Veto, ob sich das Format verbessern lässt, statt es abzusagen.
  • Rahmt riskante Formate aktiv, statt sie zu verbieten: Einführung, Rollenklärung, Ausstiegsmöglichkeit, Nachgespräch.
  • Behandelt veraltete Begriffe bei wohlmeinenden Menschen als Texthänger, nicht als Gesinnung. Korrigiert im Vorbeigehen, nicht als Verfahren.
  • Nutzt Spiel als Bildungsform, wo Theorie ausschließt.

10. Ambiguitätsvergnügen: die Kompetenz gegen Zermürbung

Analyse. Fleck knüpft an ein reales Konzept an: Ambiguitätsintoleranz, also die Schwierigkeit, Mehrdeutigkeit auszuhalten. Sie schreibt es Elsa Frenkel-Brunswik zu und ordnet es der Forschung zum autoritären Charakter zu, den Erich Fromm mit Unterwürfigkeit nach oben, Selbsterhöhung nach unten und Ablehnung alles Fremden beschrieb [62].

Faktenkorrektur: Die Psychologin hieß Else Frenkel-Brunswik (1908 bis 1958). Sie musste als Jüdin aus Österreich emigrieren und entwickelte das Konzept der „intolerance of ambiguity“ nicht, wie im Buch geschrieben, in der deutschen Nachkriegszeit, sondern in Berkeley, Kalifornien, im Umfeld der „Studies in Prejudice“ und der 1950 erschienenen Studie „The Authoritarian Personality“ (mit Adorno, Levinson und Sanford). Die Erstformulierung datiert auf 1949. Das ändert nichts an der Brauchbarkeit des Konzepts, aber die Zuschreibung im Buch ist falsch.

Fleck illustriert Ambiguitätsintoleranz mit einer Seuchenparabel: Heilerinnen raten erst von Tüchern ab, entdecken später ein geeignetes Material und korrigieren sich. Für Ambiguitätsintolerante ist der Wechsel unerträglich, sie rufen erst „Erst hü und dann hott“, dann Lügenvorwürfe, und am Ende landen die Heilerinnen auf dem Scheiterhaufen [63]. Das ist eine kaum verhüllte Beschreibung der Pandemiedebatte 2020/21 und beschreibt einen realen Kommunikationskonflikt: Wissenschaft revidiert sich, Ambiguitätsintoleranz liest Revision als Lüge.

Ihre These: Ambiguitätstoleranz ist eine trainierte Kompetenz marginalisierter Gruppen. Wer keine Repräsentation hat, hat ein Leben lang still umgedeutet, hat sich mal mit Julia identifiziert und mal mit Romeo und den Code „sich für das andere Geschlecht interessieren“ innerlich ergänzt [64]. Ihr historisches Beispiel: Gore Vidal peppte 1959 als Script-Doctor den Dialog von „Ben Hur“ mehrdeutig auf und teilte den homoerotischen Subtext nur dem Darsteller von Messala mit, nicht Charlton Heston. Zwei Männer spielen zwei verschiedene Geschichten, und es funktioniert [65]. Daraus die Alltagslehre: Auch im Konflikt spielen Menschen oft in verschiedenen Filmen, und die eigene Sicht bleibt die eigene Sicht.

Fleck will über Toleranz hinaus und fordert Ambiguitätsvergnügen, also Lust an Mehrdeutigkeit statt bloßem Ertragen [66].

Bemerkenswert ehrlich ist ihre Selbstanwendung: Sie beschreibt, wie sie gelernt hatte, Butches zuverlässig zu erkennen und korrekt zu gendern, und wie sie ein Jahrzehnt später erschüttert war, als eine für sie feminin wirkende Person um das Pronomen „er“ bat. Sie hatte ihren Katechismus erweitert und war dann in neuen Dogmen steckengeblieben. Auch sie hätte am liebsten „Erst hü, dann hott?“ gerufen [67]. Und sie räumt ein, dass dieses Balancetraining anstrengend ist und die Sehnsucht nach festem Boden verständlich [68].

Warum das gegen Burn-out hilft: Ambiguitätsintoleranz erzeugt Rechthabenszwang, und Rechthabenszwang erzeugt Dauerkonflikt. Wer aushalten kann, dass mehrere Deutungen nebeneinander stehen, muss weniger Kämpfe führen. Das ist Energiehaushalt, nicht Beliebigkeit.

Konkret:

  • Die Übung aus dem Buch: Verzichte einen Tag lang auf „oder“ und „aber“ und ersetze beides durch „und“ [69].
  • Frage in Konflikten zuerst, in welchem Film die andere Person gerade spielt.
  • Behandle die eigene Position als Position, nicht als Sachstand.
  • Rechne damit, dass du selbst in Dogmen feststeckst, die vor zehn Jahren Fortschritt waren.

11. Wirksam handeln: Formen, Erfolge, Grenzen

Analyse. Fleck macht eine ausdrückliche „Kampfabsage“. Ihr Ausgangspunkt: 2011 beklagte eine Aktivistin auf einer Anti-Atomkraft-Demo mit über 120.000 Teilnehmenden in Berlin, dass es sich wie ein Volksfest anfühle, angekettet an Schienen sei es intensiver gewesen. Flecks Gegenargument: Wenn Familien für Politik Zeit finden, ist das ein Erfolg und ein Zeichen, dass ein Anliegen gesamtgesellschaftlich angekommen ist. Wer Massen braucht, muss Demos so barrierefrei gestalten, dass sich die verwundbarsten Teile der Gesellschaft dort sicher fühlen [70].

Sie stützt das auf zwei Referenzen:

  • Extinction Rebellion habe erforscht, was gesellschaftlichen Wandel herbeiführt. Als besonders wirksam gelte die Kombination aus zivilem Ungehorsam einer kleinen Gruppe mit einer demonstrierenden Mehrheit, die dasselbe fordert [71]. Quellenkritik: Diese Forschung stammt nicht von Extinction Rebellion, sondern von Erica Chenoweth und Maria J. Stephan („Why Civil Resistance Works“, 2011). Deren Daten zeigen für über 300 Kampagnen zwischen 1900 und 2006, dass gewaltfreie Kampagnen etwa doppelt so häufig erfolgreich waren wie bewaffnete (rund 53 gegenüber rund 26 Prozent). XR hat diese Forschung popularisiert, unter anderem als „3,5-Prozent-Regel“. Wichtig für die Übertragbarkeit: Die Daten beziehen sich überwiegend auf Regimewechsel in autoritären Kontexten, nicht auf Politikwandel in liberalen Demokratien. Diese Einschränkung wird in der Fachdiskussion ausdrücklich erhoben.
  • Srđa Popović, der mit der Bewegung Otpor! zum Sturz von Milošević beitrug und heute weltweit Aktivist*innen trainiert, vertrete ebenfalls, dass nur gewaltfreier Widerstand zum Ziel führt [72].

Flecks eigenes Argument dazu ist strategisch und knapp: Menschenfeindliche Strömungen beherrschen Gewalt besser als wir, ein Wettrüsten wäre verloren, Kampf ist deren Heimspiel [72]. Selbstverteidigung bleibt legitim, mit Verweis auf Stonewall [73]. Ihr positives Modell ist der Pride, der seit über einem halben Jahrhundert jährlich Scham in Stolz verwandelt. Je mehr die Vorstufen zu Gewalt befriedet und die Legitimationsbasis des Hasses lahmgelegt wird, desto nachhaltiger sei der Beitrag zu einer friedlich pluralistischen Gesellschaft [74]. In einer Demokratie sei jede noch so kleine Partizipation wertvoll, auch ohne vorzeigbares Ergebnis [75].

Diese Neudefinition von Erfolg ist der schärfste Beitrag des Buches zu A1 (fehlende Belohnung). Fleck belegt sie mit drei historischen Fällen:

  • Stonewall 1969: Aus dem Getümmel entstand nicht ein Sieg, sondern das Momentum, weiterzukämpfen [76].
  • Lesbians and Gays Support the Miners 1984: Aus dem Sammeln von Spenden für streikende Bergarbeiter*innen entstand Solidarität, die ansteckte. 1988 unterstützten ausgerechnet Bergbauleute die Lesben- und Schwulenbewegung im Kampf gegen Clause 28, die britische Variante eines Verbots von „Homopropaganda“ [77].
  • Transparent „Cis? Trans? Allianz!“, 2019: Zwanzig Meter Stoff brauchten viele Hände. Es fand sich eine Gruppe aus trans und cis Personen, die sich vorher nicht kannte. Auch wenn keine einzige Passantin die Botschaft gelesen hätte, wäre die Aktion erfolgreich gewesen, weil sich die proklamierte Allianz im gemeinsamen Tun bereits hergestellt hatte [78].

Konkret:

  • Definiert vor jeder Aktion zwei Erfolgskriterien: eines nach außen und eines nach innen. Das innere ist auch dann erfüllt, wenn das äußere scheitert.
  • Wertet nach der Aktion beide aus, nicht nur das äußere.
  • Baut Aktionen so, dass sie Beziehungen erzeugen, nicht nur Botschaften. Große Transparente, gemeinsames Bauen und geteilte Aufregung leisten das.
  • Gestaltet Demos barrierefrei und familientauglich und wertet den Volksfestcharakter als Erfolgsindikator, nicht als Verwässerung.

12. Anfangen und Aufhören: Komfortzone und Heimkehr

Dieses Kapitel enthält die zwei operativ wichtigsten Werkzeuge des Buches gegen Burn-out.

12.1 Das Komfortzonenmodell

Analyse. Fleck übernimmt ein Modell aus der Erlebnispädagogik. Bild: ein Spiegelei. Der Dotter ist die Komfortzone, in der alles vertraut ist und es langweilig werden kann. Das Eiweiß ist die Entwicklungszone, in der Herzschlag und Adrenalin steigen und Wachstum möglich ist, von leichter Nervosität innen bis zu großer Angst am Rand. Jenseits der Kante liegt die Panikzone, in der Angst selbstgefährdend wird und Menschen irrationale Dinge tun, im Bergsport etwa das Seil loslassen [79].

Der entscheidende Punkt für Erschöpfung: Wer einmal in der Panikzone war, dessen Komfortzone schrumpft erheblich. Umgekehrt wächst sie mit jedem Vorstoß ins Eiweiß [80]. Das ist ein Argument gegen Überforderung, das nicht moralisch, sondern funktional ist. Überforderung macht nicht härter, sie macht dauerhaft ängstlicher.

Als Gegenbeispiel beschreibt sie die erste Demo, auf der Herzrasen in Euphorie umschlägt, sobald man in der Menge mitskandiert [81]. Und sie führt Handeln als Angstbewältigung an: Ein Vater und ein Kind, die nachts von Geräuschen gelähmt wachliegen, klettern schließlich auf einen Baum und werfen johlend Scheppersachen hinunter. Ob die Nagetiere verjagt wurden, ist unwichtig. Mit ihrem Lärm haben sie ihre Angst vertrieben [82].

Genau das ist Flecks Rezept gegen A3. Im Interview nennt sie Handlung in der realen Welt ihre Medizin gegen Passivismus-Doom. Das Buch liefert den Mechanismus: Selbstwirksamkeit entsteht körperlich, nicht durch Information.

Konkret:

  • Ordne deine anstehenden Aufgaben den drei Zonen zu. Alles, was in der Panikzone liegt, ist keine Mutprobe, sondern ein Schaden.
  • Erhöhe Anforderungen in kleinen Schritten und plane bewusst Aufgaben im Eiweißbereich ein.
  • Sorge dafür, dass Neues in der Entwicklungszone landen und nicht direkt in der Panikzone. Das ist die häufigste Ursache für sofortiges Wieder-Aussteigen.
  • Wenn dich Nachrichtenlage lähmt, mach etwas Kleines, Körperliches, Reales. Wirksamkeit vor Vollständigkeit.

12.2 Die Heimkehr

Analyse. Fleck formuliert eine Regel, die im Artikel als zentrale Empfehlung wieder auftaucht: Gerade für die engagiertesten Menschen soll jede Aktion mit einer Heimkehr in die Komfortzone abschließen, bevor die nächste beginnt. Erst in den Armen derjenigen, die einen vermisst haben, und beim Erzählen der Geschichten wird vollendet, was erreicht wurde [83].

Theoretisch stützt sie das auf Paul Rebillots gestalttherapeutischen Selbsterfahrungsprozess „A Hero’s Journey“, der inneres Wachstum entlang typischer Stationen begleitet. Am Ende jedes Abenteuers ist ein Schatz geborgen, und zur Integration gehören die Heimkehr, das Begreifen und Abspeichern des Veränderten sowie Anerkennung [84]. Dazu die Entlastung: Die komplette Welt zu retten wird ohnehin nicht gelingen, darauf sollten wir uns keinen Misserfolg einbilden. Aber jede Bewegung bewegt auch etwas [84].

Ihr Schlussritual ist konkret beschrieben: innehalten für Rückblick und Schulterklopfen, bevor die nächste To-do-Liste entsteht. Feiern, füreinander Loblieder singen, sich auch die Geschichten derjenigen holen, die vorher gekämpft haben [85].

Das ist die exakte Entsprechung zu A1 und A4. Der Artikel formuliert es als fehlenden Abschluss und als Selfcare im Sinne Lordes, also als kollektive Erholung. Das Buch liefert das Format.

Konkret:

  • Plant den Abschluss mit ein, bevor ihr die Aktion plant. Termin, Ort, Verantwortliche.
  • Der Abschluss ist keine Auswertungssitzung. Erst Erzählen, Essen und Anerkennung, dann irgendwann Auswertung.
  • Sprecht explizit aus, was sich verändert hat, auch persönlich. Das ist der Teil, den Rebillots Modell „Integration“ nennt.
  • Verbindet euch mit Bewegungsgeschichte. Wer weiß, dass Bergarbeiter*innen 1988 für queere Rechte gestimmt haben, arbeitet in einem längeren Zeithorizont.
  • Verabredet als Gruppe eine Regel: Keine neue Kampagne, bevor die letzte gefeiert wurde.

Flecks Formel dafür lautet: „Let’s be queerful with each other, so we can be dangerous together!“ [86]


13. Der Werkzeugkasten, den das Buch nur nennt

Im Dank listet Fleck Konzepte auf, die aus ihrer Sicht helfen, dass Miteinander in diversen Gesellschaften gelingt, und bittet ausdrücklich darum, die Namen zu verbreiten: Aufstehen gegen Rassismus, Betzavta, Gewaltfreie Kommunikation, Theater der Unterdrückten, Themenzentrierte Interaktion, radikale Höflichkeit, Wheel of Consent sowie die Kommunikationsmodelle nach Thomas Gordon und Friedemann Schulz von Thun [87].

Für Gruppen, die strukturell nachrüsten wollen (A6), ist das die brauchbarste Liste des Buches. Betzavta und Theater der Unterdrückten sind erprobte Formate für Konfliktbearbeitung in Gruppen, Themenzentrierte Interaktion ist ein Leitungsmodell, das Sache, Person und Gruppe systematisch ausbalanciert, und Wheel of Consent liefert eine präzise Sprache für Einvernehmen. Der Artikel fordert Investitionen in interne Evaluation und Coaching. Hier stehen die Ansätze, in die man investieren kann.


14. Was das Buch nicht leistet

Damit es als Handlungsanleitung ehrlich bleibt, gehören die Lücken dazu:

  1. Keine Struktur- und Finanzierungsebene. Fleck arbeitet fast durchgehend auf der Ebene von Haltung, Gruppe und Aktionsdesign. Die Forderungen des Artikels an Vereine, Stiftungen und öffentliche Geldgeber (A6) haben im Buch keine Entsprechung. Wer gegen Kürzungen bei queeren Bildungsprojekten arbeitet, findet hier nichts.
  2. Keine Belege. Empirische Aussagen zu Gewaltforschung, Bewegungsforschung und Gesundheit stehen ohne Quellen. Zwei Zuschreibungen sind nachweislich unpräzise (Frenkel-Brunswik, Extinction Rebellion).
  3. Optimistische Lageeinschätzung von 2022. Fleck argumentiert, dass Staat und Gesetz in Deutschland bis auf wenige Punkte auf queerer Seite stünden und man sich deshalb Spielräume erlauben könne [88]. Diese Prämisse trägt einen erheblichen Teil ihres Deeskalationskapitels. Angesichts der im Artikel beschriebenen Erschütterung des Fortschrittsnarrativs (A7) und angesichts der Lage seit 2024/25 muss man diese Prämisse eigenständig prüfen, bevor man die Empfehlungen übernimmt.
  4. Privilegierte Perspektive, teils selbst benannt. Fleck schreibt ausdrücklich als weiße, westdeutsche Lesbe mit vielen Privilegien [41]. Sie reflektiert das an mehreren Stellen sehr genau, besonders bei den unsichtbaren Grenzen. Ihre Deeskalationsstrategien setzen dennoch Handlungsspielräume voraus, die nicht alle haben.
  5. Behinderung und chronische Krankheit kommen kaum vor. Barrierefreiheit wird gefordert [70], aber nicht ausgeführt. Chronisch kranke und behinderte Menschen, für die Präsenz im öffentlichen Raum die zentrale Zugangsfrage ist, tauchen im Buch praktisch nicht auf. Wer Flecks Ansatz anwendet, sollte diese Lücke bewusst schließen, gerade weil das Draußen-Prinzip sonst zur neuen unsichtbaren Grenze wird.
  6. Der Begriff des Vergnügens hat eine Kehrseite. Wer erschöpft ist, kann sich nicht zur Freude entscheiden. Ein Programm, das Lebensfreude zum Maßstab macht, kann für depressive oder ausgebrannte Menschen zu einer weiteren Anforderung werden. Fleck selbst weist darauf hin, dass cheerfulness ihre Unschuld verloren hat und man sich hervorragend fröhlich fühlen kann, wenn man die Marginalisierten vergisst [89]. Diese Selbstkritik sollte man auf ihr eigenes Konzept anwenden.

15. Kurzcheckliste

Vor der Aktion

  1. Funkelt das vor Vergnügen? Wenn nein: Warum machen wir es, und wer macht es sonst? [7]
  2. Passt es zu unserer Vision, nicht nur zu unserer Kapazität? [13]
  3. Zwei Erfolgskriterien festlegen, eines nach innen. [78]
  4. Zugangscheck: Geld, Uhrzeit, Weg, Raum, Ansprache. [32] [33] [34]
  5. Abschlussfeier terminieren, bevor die Aktion terminiert wird. [83]

Während der Aktion

  1. In welche Rolle werden wir eingeladen, und wollen wir sie annehmen? [50]
  2. Gibt es einen Szenenwechsel statt einer Eskalation? [53] [54]
  3. Grenzen durch Kontext markieren statt durch Verbot. [52]
  4. Niemand muss in der Panikzone arbeiten. [79] [80]

Nach der Aktion

  1. Heimkehr vor Auswertung. Erzählen, essen, würdigen. [83] [84]
  2. Benennen, was sich verändert hat, auch persönlich. [84]
  3. Erst danach die nächste Liste. [85]

Laufend

  1. Verbünden statt helfen, und benennen, was Verbündete gewinnen. [37] [38]
  2. Feindbilder taugen nicht als Bindemittel. [26]
  3. Einen Tag lang „oder“ und „aber“ durch „und“ ersetzen. [69]
  4. Projekte dürfen enden. Gruppen auch. [27]

Anhang: Belege

Alle Seitenangaben beziehen sich auf die PDF-Datei „Queerfulness _ Vom Glück einer solidarischen Protestkultur“ (Querverlag 2022), 52 Seiten. Die Inhaltsangaben sind Zusammenfassungen, keine Zitate.

Nr.PDF-SeiteKapitelInhalt
17WunderlustAus äußerem Antrieb (Welt verändern) und innerem Vergnügen an der Aktion entsteht ein kombinierter Antrieb, der nach Fleck nicht so schnell mit Aktivismus-Burn-out ausbrennt.
250Vom Glück des MachensBild der Wespen im September als Beschreibung von Aktivismus-Burn-out: Alarmpheromone aus dem Internet, klebrige Strukturen, Verglühen am Konfliktherd, leere Hülle.
350Vom Glück des MachensUnsere Ressourcen sind begrenzt, die Verbesserung der Welt ist ein Projekt ohne Ende.
410WunderlustBeobachtung des Werte-Drifts: aus wütenden Linken werden wütende Rechte, Wut bleibt die einzige Konstante; Beispiele Generationenkonflikt unter Lesben und Homonationalismus.
510WunderlustAudre Lordes Argument über die Werkzeuge der Herrschenden; statt Zweck-heiligt-Mittel sollen die Mittel dieselbe Schönheit und Menschenfreundlichkeit haben wie das Ziel.
610 f.WunderlustDas Ziel zum Weg machen; Utopia mit Werkzeugen bauen, die in Utopia geschmiedet wurden.
77WunderlustInventur des eigenen Engagements nach dem Kondō-Prinzip mit der Leitfrage, ob es vor Vergnügen funkelt.
87WunderlustKonkrete Sortierung: Kaufhausbesetzung und Spendenlauf gegen eine Nazi-Demo bleiben, Diskussionen mit Rechten auf Twitter werden ausgemistet.
99Wunderlust„Queerfulness“ wurde in der Gruppe als Prüfwort benutzt, um zu diskutieren, ob eine geplante Aktion queerful genug ist.
106WunderlustLee Strasbergs Rat, nach den Sternen zu greifen, und Geraldine Barons Umdeutung von „be realistic“ als Aufforderung, Träume zu realisieren.
1111WunderlustVisionäres Bacchanal im Januar 2020: Wohnzimmer mit Kissen und Matten, Namen inspirierender Protestkulturen an den Wänden, Pyjamas, Leitfrage nach Träumen ohne Ressourcenmangel, ausdrücklich kein Planen.
1211WunderlustBeobachtung, dass sich die meisten Ideen des Bacchanals trotzdem realisiert haben, weil die entstandene Lust schwer einzudämmen war.
1311WunderlustErst wenn die Utopie sinnlich vergegenwärtigt ist, lässt sich beurteilen, ob eine geplante Aktion zu ihr passt.
1411 f.WunderlustLeo Lionnis „Frederick“ als Bild: Die Maus, die Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt, versorgt die Gruppe im Winter.
1512WunderlustAusdrückliche Aufforderung zur Pause vor dem Weiterlesen: es sich gemütlich machen, dösen, träumen, sich erinnern.
1613CommunityfreudenDie Community hat keine Zentrale, keine Generaldirektorin und keine Hauptversammlung; sie besteht aus Menschen, die sich im öffentlichen Raum begegnen.
1714CommunityfreudenDer öffentliche Raum ist politisch; Solidarität lässt sich nur in Begegnung erfahren, draußen weitet sich der Blick auf die Gesellschaft.
1814CommunityfreudenDer Second-Wave-Feminismus belebte die Freundinnenschaft wieder; Feminismus keimte in Frauengruppen und im consciousness raising; Versammlungsfreiheit ist Diktaturen suspekt.
1914Communityfreuden„Boofen“ in der DDR, HipHop auf Blockpartys, Tango, Capoeira, Roller Dance und Voguing als Kulturen marginalisierter Gruppen im öffentlichen Raum.
2015CommunityfreudenRepression unter Bürgermeister Giuliani in New York; zeitweise Verbote von Tango und Capoeira, Auflösung von Roller Jams.
2115CommunityfreudenLockdown 2020: Szenen begegneten sich in Parks; Prinzip „anbieten statt verbieten“ als verpasste Chance.
2218 f.CommunityfreudenOpen Space als Großgruppenmethode; Rollen „Schmetterling“ und „Hummel“, wobei die herumwandernde Hummel als befruchtend statt als störend gilt.
2319 f.CommunityfreudenOpen-Space-Regeln: Wer auch immer kommt, es sind die richtigen Leute; was auch immer geschieht, es ist das Einzige, was geschehen konnte.
2420CommunityfreudenCommunity als Open Space: Räume nach Thema teilen statt um sie kämpfen; Beispiele Cervix-Watching und eine Free-the-Nipple-Party für alle, die etwas zu befreien haben.
2519CommunityfreudenEine heterogene Gruppe, die ihre Verschiedenheit aushält, ist der sicherste Ort; zu homogene Gruppen werden auf Dauer gefährlich.
2619CommunityfreudenDer Irrtum, Gemeinschaft brauche einen Feind; Feindbilder zersetzen Gruppen von innen; „no homo“ als Treten nach unten zur Positionssicherung.
2719CommunityfreudenVertrauen als Nährboden; Gemeinschaft wächst durch gemeinsam durchgestandene Abenteuer; nach der Reise darf die Gruppe auseinandergehen.
2819CommunityfreudenEchte Gemeinschaft bedient beide Bedürfnisse zugleich: Zugehörigkeit und Individualität.
2920Communityfreuden„Happyland“ nach Tupoka Ogette als Ort ohne Diskriminierungserfahrung; dagegen Hannah Arendts Argument, man könne sich nur als das verteidigen, als das man angegriffen wird.
3021CommunityfreudenDie Homogenität solcher Räume (weiß, cis, gebildet, gutverdienend, Pässe des globalen Nordens) fällt den Anwesenden nicht auf.
3121CommunityfreudenSauna-Beispiel: Drei Männer im Whirlpool erzeugen eine faktische Sperre, obwohl die Autorin formal willkommen gewesen wäre.
3222CommunityfreudenDefinition und Reichweite der unsichtbaren Grenze: Sie versperrt den Zugang und wird meist nur von der ausgesperrten Seite bemerkt.
3321 f.CommunityfreudenSoli-Show für LGBT-Geflüchtete: Eintritt nach Selbsteinschätzung sperrt einen mittellosen Freund aus, der selbst eine Fluchtgeschichte hat.
3422CommunityfreudenZu Abendterminen kamen nur trans Männer, weil trans Frauen abends ungern durch die Stadt fahren; Willkommensbekundungen ändern daran nichts.
3522CommunityfreudenFortwirkende Alltagsabwertung durch Witze und Demütigungen; Hinweis auf die höhere Suizidrate unter LGBT+ Jugendlichen (ohne Quellenangabe im Buch).
3623CommunityfreudenSzene aus „Sex Education“: Fast die ganze Schule reklamiert das geleakte Vulva-Bild für sich, wodurch Bestrafung und Mobbing ins Leere laufen und alle Beteiligten empowert werden.
3723CommunityfreudenSolidarität ist Zusammenarbeit auf Augenhöhe; „verbünden“ trifft es besser als „helfen“; Beispiel des im Haushalt helfenden Ehemanns.
3823 f.CommunityfreudenWas Verbündete selbst gewinnen: Heteros verlieren den Druck der Heteronormativität, Männer werden von einer gesundheitsschädlichen Rolle entlastet, Regierungen könnten von indigenem Wissen lernen.
3924CommunityfreudenMentoring zwischen cis und trans Frauen; Bezug auf Juno Roches „Queer Sex“ und Kate Bornsteins „A Queer and Pleasant Danger“.
4025CommunityfreudenAudre Lorde: Niemand ist frei, solange eine einzige Frau unfrei ist, auch bei ganz anderen Fesseln.
4122 f.CommunityfreudenSelbstverortung als weiße westdeutsche Lesbe mit vielen Privilegien und die Folgerung: Wer Empowerment sucht und selbst keines nötig hat, erreicht dieselbe Wirkung durch ein Bündnis mit denen, die Unterstützung brauchen.
4225CommunityfreudenAlltagsübungen: Perspektive und Stammplatz wechseln, sich selbst absichtlich verwirren.
4316CommunityfreudenEskalationskarussell: Hass entsteht aus Angst; wer Menschenfeindlichkeit aushebeln will, soll sich in Menschenfreundlichkeit üben.
4416CommunityfreudenReinheitsvorstellungen als Kern menschenfeindlicher Weltbilder; das Wissen um eigene Verschiedenheit als Gegengift und Coming-out-Geschenk.
4516 f.CommunityfreudenWarnung vor dem Kampf der Buchstabengruppen untereinander und vor dem Prinzip Teile und herrsche.
4617Communityfreuden„trans“ als Denkfigur: „inter“ vermittelt zwischen abgegrenzten Bereichen, „trans“ hat die Grenze bereits überschritten; Beispiel Transkulturalität.
4717 f.CommunityfreudenIdentitäten wachsen an vielen Stellen, sind unterschiedlich gewichtet und permanent im Wandel; mehrere Coming-outs im Lebenslauf sind normal.
4831Im Rausch des SpielensVerweis auf Gewaltforschung: autoritäre Milieus als nächste Eskalationsstufe nach gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit; Autoritäre brauchen Erregung und kennen nur Sieg oder Niederlage (ohne Quellenangabe im Buch).
4931Im Rausch des SpielensWer Gegner*innen wie Mitspielende behandelt, mildert Erregungszustände und bremst Autoritarismus; Angriffe lassen sich wie im Aikido ableiten.
5031 f.Im Rausch des SpielensRollenangebote wirken unwillkürlich: Wer im Eltern-Ich beschimpft wird, antwortet im Kind-Ich; ein diskreter Hinweis lässt eine würdevolle Antwort zu.
5132Im Rausch des SpielensGrenze der Methode: Extremist*innen sind nicht mehr mit Argumenten erreichbar; eine rote Linie ist auch ohne autoritäres Auftreten möglich.
5232Im Rausch des SpielensOccupy Wall Street 2011: Zwei Frauen distanzieren sich mit einem selbstgemalten Schild von einem Antisemiten und flankieren ihn dauerhaft, statt ihn mundtot zu machen.
5332 f.Im Rausch des SpielensAbklatschtheater als Übung, aus derselben Körperhaltung eine völlig andere Szene zu beginnen; trainiert wird der Blick für das Potenzial anderer Szenen.
5433 f.Im Rausch des SpielensTuntenspaziergang Neukölln 2017: Statt einer Prügelszene wählt die Autorin ein neues Rollenangebot, entfernt sich von der Eskalationsstelle und improvisiert bis zum Gruppenfoto.
5534Im Rausch des SpielensNüchterne Bewertung des Ausgangs und die Regel, dass man das Ende eines Stückes kennen muss, um eine Szene spielen zu können.
5627Im Rausch des SpielensIm Spiel lassen sich Dinge intuitiver und zugänglicher verhandeln als in Texten und Theorien, weil Stimme, Körper und Emotion mitspielen.
5727Im Rausch des SpielensAbgesagter Motto-Tag „Genderswap“ nach Protest, das Thema zementiere Binaritäten und sei trans- und interfeindlich.
5828 ff.Im Rausch des SpielensAusgemaltes Gegenszenario mit zahlreichen Figuren, die durch das Spiel Erfahrungen über Gender, Begehren und die eigene Identität machen.
5934Im Rausch des SpielensSchlussaufforderung des Kapitels, nicht vor Social-Media-Hate sitzen zu bleiben, sondern rauszugehen und zu spielen.
6030Im Rausch des SpielensDie Protestgruppe mit „Stop Genderswap“-Schild wird durch den vorbeilaufenden Kontext selbst zur Illustration einer cis-heteronormativen Botschaft.
6130 f.Im Rausch des SpielensDiskurse ändern sich, nicht alle sind auf dem Stand; auf der Bühne gilt es als schlechter Stil, andere auf Texthänger hinzuweisen, besser wird weiterimprovisiert.
6238AmbiguitätsvergnügenAmbiguitätsintoleranz, im Buch „Elsa“ Frenkel-Brunswik zugeschrieben und in die deutsche Nachkriegszeit verlegt; autoritärer Charakter nach Erich Fromm.
6338 f.AmbiguitätsvergnügenSeuchenparabel: Korrigierte Empfehlungen lösen bei Ambiguitätsintoleranten Lügenvorwürfe aus, am Ende landen die Heilerinnen auf dem Scheiterhaufen.
6439 f.AmbiguitätsvergnügenAmbiguitätstoleranz als lebenslang trainierte Kompetenz marginalisierter Gruppen, die fehlende Repräsentation still umdeuten.
6540Ambiguitätsvergnügen„Ben Hur“ 1959: Gore Vidal legt einen homoerotischen Subtext an, den nur ein Darsteller kennt; daraus die Einsicht, dass Menschen in verschiedenen Filmen spielen.
6641AmbiguitätsvergnügenForderung nach Ambiguitätsvergnügen statt bloßer Toleranz: Mehrdeutigkeit soll nicht ertragen, sondern genossen werden.
6743 f.AmbiguitätsvergnügenSelbstkritik: Die erlernte Sicherheit im Erkennen von Butches wurde zum neuen Dogma gegenüber einer nicht-binären Person, die um das Pronomen „er“ bat.
6844AmbiguitätsvergnügenEingeständnis, dass Ambiguitätstraining anstrengend ist und die Sehnsucht nach festem Boden verständlich; die Belohnung ist Horizonterweiterung.
6945AmbiguitätsvergnügenÜbung: einen Tag lang auf „oder“ und „aber“ verzichten und beides durch „und“ ersetzen.
7047Vom Glück des MachensDemo als Volksfest ist ein Erfolgssignal; wer Massen braucht, muss so barrierefrei gestalten, dass sich die verwundbarsten Teile der Gesellschaft sicher fühlen.
7147Vom Glück des MachensVerweis auf Extinction Rebellion: Wirksam sei die Kombination aus zivilem Ungehorsam einer kleinen Gruppe und einer demonstrierenden Mehrheit mit derselben Forderung.
7247Vom Glück des MachensSrđa Popović und Otpor!; nur gewaltfreier Widerstand führe zum Ziel, weil Kampf das Heimspiel menschenfeindlicher Bewegungen ist.
7347Vom Glück des MachensAusdrückliche Feststellung, dass Selbstverteidigung bei Angriffen richtig bleibt, mit Verweis darauf, dass Queers sich bei Stonewall zur Wehr gesetzt haben.
7448Vom Glück des MachensPride verwandelt jährlich Scham in Stolz; das Befrieden der Vorstufen von Gewalt und das Lahmlegen der Legitimationsbasis des Hasses wirken nachhaltiger.
7548Vom Glück des MachensIn einer Demokratie ist jede noch so kleine Partizipation wertvoll, auch ohne vorzeigbares Ergebnis.
7649Vom Glück des MachensStonewall 1969: Aus der Gegenwehr entstand das Momentum, weiter für die eigenen Rechte zu kämpfen.
7750Vom Glück des MachensLesbians and Gays Support the Miners 1984; die entstandene Solidarität führte 1988 zur Unterstützung durch Bergbauleute im Kampf gegen Clause 28.
7850Vom Glück des MachensTransparent „Cis? Trans? Allianz!“ 2019: Die Allianz hatte sich im gemeinsamen Tun bereits hergestellt, unabhängig von der Außenwirkung.
7948Vom Glück des MachensKomfortzonenmodell aus der Erlebnispädagogik mit Komfortzone, Entwicklungszone und Panikzone im Bild des Spiegeleis.
8048 f.Vom Glück des MachensEin Aufenthalt in der Panikzone lässt die Komfortzone erheblich schrumpfen; jeder Vorstoß in die Entwicklungszone lässt sie wachsen.
8149Vom Glück des MachensErste Demo als Beispiel: Herzrasen schlägt in Euphorie um, sobald man mitskandiert.
8249Vom Glück des MachensHandeln als Angstbewältigung: Der Lärm vom Baum vertreibt nicht sicher die Tiere, aber verlässlich die Angst; wer etwas wagt, wächst.
8350Vom Glück des MachensJede Aktion soll mit einer Heimkehr in die Komfortzone abschließen; erst im Erzählen bei einem Festmahl wird vollendet, was erreicht wurde.
8450 f.Vom Glück des MachensPaul Rebillots „A Hero’s Journey“; zur Integration gehören Heimkehr, Begreifen und Anerkennung; die Welt komplett zu retten gelingt ohnehin nicht, doch jede Bewegung bewegt etwas.
8551Vom Glück des MachensAbschlussritual vor der nächsten To-do-Liste: Rückblick, Schulterklopfen, Feiern und das Aufgreifen der Geschichten früherer Kämpfe.
8651Vom Glück des MachensSchlussformel des Buches über gegenseitige Queerfulness als Voraussetzung dafür, gemeinsam gefährlich zu sein.
8751DankListe empfohlener Konzepte: Aufstehen gegen Rassismus, Betzavta, Gewaltfreie Kommunikation, Theater der Unterdrückten, Themenzentrierte Interaktion, radikale Höflichkeit, Wheel of Consent, Gordon, Schulz von Thun.
8831Im Rausch des SpielensEinschätzung von 2022, dass Staat und Gesetz in Deutschland bis auf wenige Rechte auf queerer Seite stehen und deshalb Spielraum besteht.
899Wunderlust„cheerful“ und „mindful“ haben ihre Unschuld verloren; neoliberale Fröhlichkeit funktioniert, indem sie Marginalisierte vergisst.
908 f.WunderlustEntstehung des „Summer of Queerfulness“ aus einer Begegnung auf einer Mieter*innendemo; das Gründungsversprechen lautete gegenseitige Unterstützung, inspiriert vom Film „Pride“.

Externe Quellen (außerhalb des Buches)

  • Eleonore Foss: Community kostet Kraft: Warum leiden so viele an Aktivismus-Burn-out? SIEGESSÄULE, 28.08.2026. Mit Juliane Rosin (LesbenRing e. V.) und Cornelia Fleck.
  • DIW Berlin / Universität Bielefeld: Geringere Chancen auf ein gesundes Leben für LGBTQI*-Menschen. DIW-Wochenbericht 6/2021, Datenbasis SOEP 2019 und Online-Befragung.
  • Else Frenkel-Brunswik: Konzept der intolerance of ambiguity, 1949; Mitautorin von „The Authoritarian Personality“ (Adorno, Frenkel-Brunswik, Levinson, Sanford), Harper & Brothers, New York 1950, entstanden an der University of California, Berkeley.
  • Erica Chenoweth / Maria J. Stephan: Why Civil Resistance Works, Columbia University Press 2011; Grundlage der von Extinction Rebellion popularisierten 3,5-Prozent-Regel, mit der fachlichen Einschränkung, dass sich die Daten überwiegend auf Regimewechsel in autoritären Kontexten beziehen.

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